Managementdenker haben einen großen Einfluss auf das Management. Manager und Managerinnen suchen den Rat der Managementdenker, wenn sie Interpretationen aktueller Entwicklungen suchen. Charles Handy hat für die Managementdenker das Bild der "honey-bees of management" gefunden. Managementphilosophen hätten die Aufgabe, "auf der Welt herumzuschwirren, zu schreiben, Reden zu halten, zu beraten. Ihre Reden müssen fesselnd sein oder gar inspirierend, ihre Ideen einprägsam und sofort umsetzbar. Je schneller die Erde sich dreht, umso wichtiger werden diese weltläufigen Bienen, die dabei eine neue Sprache im Management entwickeln und neue Begriffe finden."
Managementberater arbeiten besonders nahe an den aktuellen Entwicklungen der Unternehmen. Das Wissen, die Erfahrung und das Netzwerk von McKinsey, Boston Consulting Group und anderen internationalen Beratern gelten als exzellent. Wenn Berater Karriere machen und sich immer tiefer in die Welt der Organisationen arbeiten, verändert sich bei einigen von ihnen die Perspektive. Dies war bei den früheren McKinsey-Beratern Tom Peters und Robert Waterman der Fall. Oder bei Kenichi Ohmae und Jim Collins, die ebenfalls bei McKinsey waren. Ex-Berater wechseln in ihrem Denken bisweilen von einem kausalen und linearen, also klassischen Denken zu einem postklassischen Denken. An die Stelle der Widerspruchslosigkeit eines Beraterberichts tritt ein Schema, das von Konstruktionen lebt.
Berater, die ihre neue Rolle darin sehen, managementphilosophische Gedanken zu formulieren, sind aus Sicht des klassischen Denkens irritierend und störend. Managementphilosophie gilt, an streng wissenschaftlichen Standards gemessen, als unreife Disziplin. Zweifellos sind auch einige "Managementgurus" Scharlatane, die Moden in einer solch raschen Abfolge produzieren, dass niemand mehr diesen Moden folgen kann. Ein Beispiel hierfür wäre die These von Tom Peters aus seinem mit Robert Waterman im Jahre 1982 veröffentlichten Bestseller "Auf der Suche nach Spitzenleistungen": "Es gibt exzellente Unternehmen." Nur fünf Jahre später lautete der erste Satz in Tom Peters' neuem Buch: "Es gibt keine exzellenten Unternehmen." Die Leichtigkeit und Lockerheit dieses Denkens schaffen aber einen Schwung, der die Ratsuchenden fasziniert. Man interpretiert ihr Wirken falsch, wenn man davon ausgeht, dass sie ein festgelegtes Programm absolvieren. Radikale Vertreter dieser Branche variieren ihr (vorläufiges) Programm permanent, sie korrigieren ständig ihren Kurs.
Managementphilosophie ist aber selbst in ihren publikumsorientierten Zuspitzungen nicht so wissenschaftsfeindlich, wie behauptet wird. Wenn das Management das soziale System der Organisation nicht mehr ausklammert, werden klassische Theorien und Managementansätze vorläufig, und ihr Gehalt droht sich zu verflüchtigen. Hier kommen die Managementphilosophen ins Spiel. Die "honey-bees of management" sammeln auf ihren Ausflügen einen Nektar, den sie sowohl in der trockenen Savanne der Managementtheorie als auch im üppigen, subtropischen Klima der Unternehmenspraxis zusammentragen. Durch die Verbindung zur Organisationstheorie und zu den Praktikern entwickeln Managementphilosophen ein Gespür dafür, welche Themen anschlussfähig sind und welche nicht.
Vor gut fünfundzwanzig Jahren überschritten die ersten Managementbücher die Millionenauflage, als nach der Wirtschaftskrise von 1980 das Selbstbewusstsein vieler klassischer Manager angeknackst war. Das meiste, über was wir heute im Management diskutieren, geht auf eine Handvoll Experten aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zurück: kaum Wirtschaftswissenschaftler, eher Sozialwissenschaftler. Ganz oben, wie immer, Peter Drucker, Sozialwissenschaftler wie Herbert Simon, James March, Henry Mintzberg und Karl Weick. Auch Joseph Schumpeter zählt zu den Top Ten dieser Liste.
Die vorstehenden Ausführungen sind ein stark gekürzter Auszug aus dem Vorwort des Autors zu seinem Buch "Peter Drucker - der Mann, der das Management geprägt hat".





